Chan Chan war die Hauptstadt des Chimú-Reiches, das sich von etwa 900 bis 1470 n. Chr. an der Nordküste Perus erstreckte. Die Chimú waren die Nachfolger der Moche-Kultur und entwickelten eine hochkomplexe Gesellschaft mit einer zentralisierten Verwaltung und einer städtischen Planung. Die Stadt selbst war in Lehmziegelbauweise errichtet, mit riesigen Mauern, Palästen, Tempeln und Wohnvierteln, in denen Zehntausende von Menschen lebten.
Das Reich der Chimú war bekannt für seine fortschrittlichen Bewässerungssysteme, die es ihnen ermöglichten, in der trockenen Küstenwüste Landwirtschaft zu betreiben. Sie waren auch Handwerker, insbesondere in der Metallverarbeitung (Gold, Silber, Kupfer), der Keramikherstellung und der Textilkunst. Ihre Kunstwerke zeigen oft Motive aus dem Meer, was auf ihre enge Verbindung zum Pazifik hinweist.
Im 15. Jahrhundert wurde das Chimú-Reich von den expandierenden Inka erobert. Obwohl die Inka viele der Chimú-Strukturen intakt ließen und sogar einige ihrer Handwerkstechniken übernahmen, markierte die Eroberung das Ende der Chimú-Herrschaft. Chan Chan wurde schließlich aufgegeben und verfiel, doch seine Ruinen sind Überreste einer der bedeutendsten präkolumbianischen Zivilisationen Südamerikas.