Herculaneum, im Schatten des Vesuvs gelegen, war eine wohlhabende römische Küstenstadt, die im Gegensatz zu Pompeji nicht von Asche, sondern von pyroklastischen Strömen begraben wurde. Dieser Unterschied in der Zerstörung führte zu einer ungewöhnlich guten Konservierung der Stadt. Während Pompeji unter einer dicken Schicht aus Asche und Bimsstein begraben wurde, die die Hohlräume von organischen Materialien hinterließ, wurden die Gebäude in Herculaneum unter einer 20 Meter dicken Schicht aus verfestigtem Vulkanmaterial eingeschlossen. Dies ermöglichte die Erhaltung von Holzstrukturen, Möbeln, Textilien und sogar Nahrungsmitteln, was einen Einblick in das tägliche Leben der Römer bietet.
Die Stadt wurde im 18. Jahrhundert zufällig bei Brunnenbohrungen wiederentdeckt. Die ersten Ausgrabungen waren oft chaotisch und schädigten viele Funde, da die Methoden noch nicht ausgereift waren. Erst im 20. Jahrhundert unter der Leitung von Amadeo Maiuri begannen systematische und wissenschaftliche Ausgrabungen, die die Bedeutung Herculaneums deutlich machten. Die Funde, darunter Fresken, Mosaike und Skulpturen, zeigen den Reichtum und die Kunstfertigkeit der Bewohner.
Herculaneum war vermutlich eine kleinere, aber wohlhabendere Stadt als Pompeji, möglicherweise ein beliebter Wohnort für reiche Römer. Die Entdeckung der Bootshäuser am ehemaligen Strand, in denen Hunderte von Skeletten gefunden wurden, die versuchten, dem Ausbruch zu entkommen, ist ein Beleg für die plötzliche und verheerende Natur der Katastrophe. Heute ist Herculaneum ein UNESCO-Weltkulturerbe, das die römische Zivilisation und die zerstörerische Kraft der Natur zeigt.