Hermopolis, im alten Ägypten als Khmun bekannt, war die Hauptstadt des 15. oberägyptischen Gaus und ein bedeutendes religiöses Zentrum, das dem Gott Thoth geweiht war. Thoth, der Gott der Weisheit, des Schreibens, der Magie und des Mondes, wurde hier in seiner Form als Ibis oder Pavian verehrt. Die Stadt spielte eine zentrale Rolle in der ägyptischen Mythologie, insbesondere im Zusammenhang mit dem Schöpfungsmythos der Ogdoade von Hermopolis, einer Gruppe von acht Urgöttern, die das Chaos in Ordnung verwandelten. Die kolossalen Pavian-Statuen, die heute noch zu sehen sind, zeigen die einstige Pracht des Thoth-Tempels und die Verehrung dieses Gottes.
In der griechisch-römischen Zeit wurde Khmun zu Hermopolis Magna umbenannt, da die Griechen Thoth mit ihrem Gott Hermes identifizierten. Die Stadt florierte unter ptolemäischer und römischer Herrschaft und entwickelte sich zu einem wichtigen Handels- und Verwaltungszentrum. Archäologische Funde aus dieser Periode, wie die Überreste der römischen Agora, zeigen den Einfluss der hellenistischen und römischen Kultur, die sich mit den ägyptischen Traditionen vermischte. Hermopolis war auch ein Ort, an dem sich Kulturen und Ideen mischten, was sich in der Architektur und den Artefakten der Zeit zeigt.
Mit der Ausbreitung des Christentums in Ägypten im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. wurde Hermopolis zu einem bedeutenden Zentrum des frühen Christentums. Die Ruinen einer großen frühchristlichen Basilika, die zu den größten ihrer Art in Ägypten zählt, stammen aus dieser Epoche. Diese Basilika wurde möglicherweise aus Baumaterialien älterer heidnischer Tempel errichtet, was auf den Wandel der religiösen Landschaft der Stadt hinweist.