Tuna el-Gebel ist untrennbar mit dem Kult des Gottes Thot verknüpft, dem Gott der Weisheit, der Schrift und des Mondes, der oft als Ibis oder Pavian dargestellt wurde. Die Stätte diente als riesige Nekropole für die heiligen Tiere des Thot, insbesondere Ibisse und Paviane, die in Millionen von Mumien in den weitläufigen Katakomben beigesetzt wurden. Diese Praxis zeigt die tiefe Verehrung und dem Glauben an die göttliche Inkarnation in der Tierwelt im alten Ägypten.
Die Geschichte von Tuna el-Gebel umfasst die Spätzeit, die ptolemäische und die römische Epoche. Eine der bedeutendsten Entdeckungen ist das Grab des Petosiris, eines Hohepriesters des Thot aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Sein Grab ist einzigartig, da es ägyptische und griechische Kunststile auf bemerkenswerte Weise miteinander verbindet und den kulturellen Austausch jener Zeit zeigt. Die Inschriften und Darstellungen im Grab geben Auskunft über das Leben und die religiösen Vorstellungen eines hochrangigen Beamten dieser Übergangsperiode.
In der Nähe liegt Amarna, die kurzlebige Hauptstadt des Pharaos Echnaton. Einige der Grenzstelen Echnatons, die die Ausdehnung seiner Stadt Achet-Aton markierten, befinden sich in der Umgebung. Zusammen mit dem nahegelegenen Hermopolis Magna, einer weiteren wichtigen Thot-Stadt, gehört Tuna el-Gebel zu einem archäologischen Ensemble, das die komplexe religiöse und politische Landschaft Mittelägyptens über Jahrtausende hinweg zeigt.